Der Weihnachtsfestkreis

 

Er gliedert sich in die Adventszeit (4 Wochen vor Weihnachten) und in die eigentliche Weihnachtszeit, die von Heiligabend bis zum 6. Januar dauert. Es ist eine Zeit der Lichter, der Kerzen und der verschiedenen Düfte von Weihnachtsgebäck und Duftkerzen.

 

Adventssonntage

Violetter Kranz

Liturgische Mitte im Kreis beim Taufstein in der Kirche Spiegel.

 

 

 

 

„Advent feiern heisst warten können;
Warten ist eine Kunst,
die unsere ungeduldige Zeit vergessen hat…“


D. Bonhoeffer

 

 

 

 

 

 

Advent kommt vom lat. adventus und heisst „Ankunft“. Das Kirchenjahr beginnt also mit einer besinnlichen, nachdenklichen Wartezeit. Den Anfang markiert der 1. Adventssonntag. Das ist immer der Sonntag der auf den 26. November folgt. Adventsfeiern sind erstmals im 6.Jahrhundert nachgewiesen. Damals kannte man sogar noch fünf bis sieben Adventssonntage. Später wurden nur noch vier beibehalten. Am Anfang war der Advent eine Zeit der Busse, des Fastens und der Enthaltung. Erst seit der Aufklärungszeit (18.Jh.) sind das Warten und die Vorbereitung auf Weihnachten in den Vordergrund gerückt. Die Zeit des Wartens wird begleitet von den biblischen Kindheitserzählungen Jesu aus den Evangelien nach Matthäus und Lukas. ( Matthäus 1,1-25; Lukas 1,5-80)

Im Stress und der Hektik der Weihnachtsvorbereitungen geht diese ruhige Zeit, die Zeit des „Wartenkönnens“ meist unter. Die Adventssonntage möchten diese Hektik durchbrechen und uns einladen, eine kleine Pause zu machen und zur Ruhe, zu Atem zu kommen. Warum nicht einmal für ein paar Minuten ausbrechen und die Kunst des Wartens üben? Warum nicht bewusst den Abend der Adventssonntage abschliessen mit dem Entzünden einer Kerze oder der Kerzen des Adventskranzes, mit dem Lesen einer Geschichte, eines Adventsliedes oder dem Hören adventlicher Musik? Einen kleinen Denkanstoss finden Sie hier.

4. und 6. Dezember: Barbaratag und Nikolaustag

Diese beiden Tage sind Heiligen gewidmet und haben deshalb in unserer reformierten Tradition keine grosse Bedeutung. Hier seien sie dennoch der Vollständigkeit halber und wegen des aufkommenden Brauchtums kurz erwähnt:

Der Barbaratag am 4. Dezember geht auf eine jungfräuliche Märtyrerin (um 306 n.Chr.) zurück, die der Legende nach von ihrem eigenen Vater den Gerichten ausgeliefert wurde, weil sie sich zum christlichen Glauben bekannte. Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute, der Architekten und der Gefangenen. Wer an diesem Tag einen Zweig pflückt und ins Wasser stellt, der wird an Weihnachten von dessen Blühen erfreut (Barbarazweig).

 

Barbarazweig

Ein eingestellter Kirschbaumzweig nach 20 Tagen.

 

Am Tage von Sankt Barbara,
da geht das Jahr zur Neige.
Dann trag ins Haus von fern und nah,
die kahlen Kirschbaumzweige.
Am Tage von Sankt Barbara
stell Zweige in die Zimmer.
Dann lacht zur Weihnacht, hier und da,
ein weißer Blütenschimmer.

 

von James Krüss

 

 

 

 

 

Adventskranz

 

 

 

Der Nikolaustag am 6. Dezember geht auf den Bischof Nikolaus von Myra zurück, der im 4. Jahrhundert gelebt hat und als Helfer in Schwierigkeiten aller Art und besonders als Kinderfreund galt. Der Legende nach erweckte Nikolaus Schüler vom Tode – Anlass, ihn zum Patron der Schüler und der Schule werden zu lassen. Bei Schulfesten wurde ein Kinderbischof bzw. ein Kinderabt gewählt und eingekleidet, der über die Erwachsenen Gericht hielt und sie durch einen „Knecht“ bestrafen oder belohnen liess. Später kehrte sich in den Nikolausspielen, die sein Leben darstellten, das Verhältnis um: Nikolaus kommt, verhört die Kinder, belohnt und bestraft sie. Der rote Mantel erinnert heute noch daran, dass Nikolaus ein Bischof war. Sein Begleiter (Schmuzli, Knecht Ruprecht, Krampus oder wie seine Namen alle lauten) wird übrigens auf den altgermanischen Göttervater Odin zurückgeführt. Der christliche Nikolaus hat ihn in Dienst genommen zum Zeichen der Überwindung des Heidentums. Ihm überliess der Nikolaus auch die früher üblichen strafenden und drohenden Tätigkeiten wie das „Verhauen mit der Zuchtrute“, „das Kinder in den Sack stecken“ und „sie in den Wald nehmen.

Adventsbräuche

Der Adventsbräuche sind viele:

Adventskonzerte, Sternsingen, Adventskalender, Kartengrüsse, Kerzenziehen…

 

Adventskranz

 

 

 

 

 

Ganz wichtig ist auch der Adventskranz. Er geht auf Johann Hinrich Wichern zurück. In seinem „Rauhen Haus“ in Hamburg, einem Heim für sittlich gefährdete Kinder, liess er zu seinen Adventsandachten Kerzen auf dem Kronleuchter anzünden. 1860 ersetzte er den Leuchter durch einen Kranz aus Tannengrün: Der Adventskranz war geboren. Ein stiller Brauch nahm damals seinen Anfang: Verhaltenes Licht sollte die Vorfreude auf den Geburtstag Jesu zum Ausdruck bringen.

 

 

 

 

 

Adventskranz

 

 

 

 

 

Und am wichtigsten sind wohl die Geschenkvorbereitungen für den Heiligen Abend. Diese Kinder- und Erwachsenenbescherung hat sich erst im vorigen Jahrhundert (20.Jh.) durchgesetzt! Der Brauch der häuslichen Weihnachtsgeschenke nahm im 19. Jahrhundert in den Städten seinen Anfang. Früher brachten St. Nikolaus am 6. Dezember oder die Heiligen Drei Könige am 6. Januar die Gaben, während der Heilige Abend ganz der Stille und Besinnlichkeit vorbehalten war.

 

 

 

Die Weihnachtszeit: Von Heilig Abend bis Epiphanias

Gelber Kranz

Liturgische Mitte im Kreis beim Taufstein in der Kirche Spiegel.

 

 

 

 

 

 

„Gott wurde Mensch,
damit Menschen Kinder Gottes werden“

(K.-H. Bieritz)

 

 

 

 

 

 

 

Das Weihnachtsfest erzählt von der Menschwerdung Gottes – ein nicht ganz einfaches Thema.
Anschaulich wird der Inhalt von Weihnachten durch das Gleichnis vom Licht:

 

Gottes Menschwerdung ist wie ein Licht, das in die Welt kommt und die Finsternis vertreibt.

 

Die Geschichte des Weihnachtsfestes beginnt im 4. Jahrhundert in Rom: dort wurde der 25. Dezember als Geburtsfest Christi gefeiert.
In den ältesten lateinischen Schriften heisst Weihnachten „dies natalis / nativitas“ also Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus. In den heutigen romanischen Sprachen schlägt sich dies nieder: Natale, Navidad, Noël.

 

Biblischer Hintergrund ist dabei die Kindheitsgeschichte Jesu, wie sie in Lukas 1-2 zu finden ist, obwohl es sich hier vermutlich nicht um die älteste Texte aus den Evangelien handelt.

 

Religionsgeschichtlich dürfte Weihnachten als Geburtsfest Jesu mit dem Fest des unbesiegten Sonnengottes (= natale solis invicti) zusammenhängen. Man nimmt an, dass Christen dieses Fest übernommen und verchristlicht haben, indem sie an diesem Tag den Geburtstag Jesu feierten. Dabei konnten sie an biblische Aussagen anknüpfen wie z.B. Maleachi 3,20: der Prophet nennt den kommenden Erlöser „Sonne der Gerechtigkeit“. Oder ein guter Anknüpfungspunkt bietet auch Johannes 8,12, der Christus als das Licht der Welt bezeichnet.

24. / 25. Dezember: Heiligabend und Weihnachten

Weihnachtsbaum

 

 

 

Nach und nach entstanden die einzelnen Festtage wie wir sie heute kennen. Sie richten sich nach dem Sonnenkalender und haben somit ein festes Datum im Jahr: wir feiern Heiligabend am 24. Dezember meist in Form eines Familienfestes mit Besuch einer Christnachtfeier.


Am 25. Dezember feiern wir Weihnachten mit einem Abendmahlsgottesdienst. Dabei darf natürlich die Krippe und der Weihnachtsbaum nicht fehlen!

 

„Stille Nacht, Heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
nur das traute hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
schlaf in himmlischer Ruh,
schlaf in Himmlischer Ruh.“


(Reformiertes Gesangbuch Nr. 412)

 

26. Dezember: Stephanustag

Weihnachtsbaum

Fenster mit der Steinigung des Stephanus aus der Kirche Spiegel.

Einen Tag nach der Geburt Christi wird das Fest des ersten Märtyrers mit Namen Stephanus gefeiert. Der Apostel geriet in Konflikt mit den jüdischen Zeitgenossen und liess dafür sein Leben. Er wurde gesteinigt (Apostelgeschichte 6,1-8,2).
Das Fest, in dem die Vorbildlichkeit der Feindesliebe des Stephanus Hauptthema ist, ist seit dem 5.Jh. bezeugt. Zu diesem Fest gibt es seit der Zeit Karls des Grossen einen Brauch: die Stephanusminne. Dabei wird Wein getrunken mit dem Segensspruch: Trinke die Stärke / das Feuer / den Geist des Heiligen Stephanus.“


(Diesen Brauch gibt es übrigens ebenso beim Johannesfest am 27. Dezember. Auch hier kann es geschehen, dass am Schluss eines Gottesdienstes, v.a. in röm.-kath. Gottesdiensten/Messen, Wein ausgeteilt wird, der mit dem Segensspruch „Trinke die Liebe des Heiligen Johannes“ ausgeschenkt wird.)


Der Gedenktag des Stephanus ist heute vielerorts zum Tag der nachweihnachtlichen Verwandtenbesuche, der Vereinsfeiern oder Theaterveranstaltungen geworden. Vereinzelt finden auch Reiterumzüge statt, da Stephanus als Schutzpatron der Pferde gilt.

Bräuche in der Weihnachtszeit:

Im Mittelalter kannte man zur Feiert des Weihnachtsfestes noch keinen Weihnachtsbaum. Erstmals taucht ein Tannenbaum in der uns bekannten Form auf einem Kupferstich aus dem Jahr 1509 von Lukas Cranach dem Älteren auf. Nach und nach trat der Christbaum seinen Siegeszug an. Im Christbaum verbinden sich die Symbolik des Lichts (die Kerzen) mit der Symbolik des Lebens (immergrüne Zweige, Lebensbaum).

 

Krippe


Daneben gibt es noch andere Bräuche:

 

Krippenspiele
(das erste Krippenspiel soll Franz von Assisi im Jahre 1223 durchgeführt haben)

 

Beschenkung der Armen
(Aktion 2 mal Weihnachten)

 

Turmmusik

 

Ausschmücken der Wohnungen mit immergrünen Zweigen (Misteln)

 

Aufstellen von Krippenfiguren (dieser Brauch reicht bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche zurück!)

 

besondere Weihnachtsgerichte (Weihnachtsgans oder Karpfen)

 

 

 

Christstollen

und natürlich das traditionelle Weihnachtsgebäck. Dieses hat auch seine Symbolik:
die Zimtsterne bedeuten den Stern, der den Weisen den Weg wies, der mit weissen Puderzucker bestreute Christstollen hingegen ist ein Bild für das in Windeln gewickelte Christuskind.

 

 

 

31. Dezember: Silvester


Dieser letzte Tag des Jahres ist benannt nach Silvester, dem Bischof von Rom, der Zeuge des Endes der Christenverfolgungen geworden ist und der auch das Christentum in der Rolle der Staatsreligion erlebt haben soll. Die Legende bringt ihn in Verbindung mit der Taufe Kaiser Konstantins, der das Christentum zur Staatsreligion gemacht hat. Silvester soll am 31. Dezember 335 verstorben sein.

Das heutige Brauchtum vom Altjahresabend hat mit diesem Bischof nichts mehr zu tun. Das Lärmen und Schreien, die Böllerschüsse und Raketen in dieser Nacht sind vorchristlichen Ursprungs und sollten die bösen Geister vor dem Eintritt in das neue Jahr vertreiben. Christlich und verhältnismässig jung ist der Brauch, das alte Jahr aus- und das neue Jahr mit den Kirchenglocken einzuläuten.

 

 

Feuerwerk

Als treuer Begleiter für den Übergang ins neue Jahr wird oft das folgende Gedicht zitiert:

 

Von guten Mächten treu und still umgeben
behütet und getröstet wunderbar, -
So will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;
Noch will das alte unsre Herzen quälen
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
Ach, Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen / das Heil, für das Du uns geschaffen hast…


(D. Bonhoeffer, Dezember 1944)

1. Januar: Neujahr

Egal, ob die Christen den Jahresanfang nun auf den 1. oder 6. Januar oder gar auf den 25. Dezember setzten, immer wurde der 1. Januar als Neuanfang gefeiert und dabei neugierig an der Zukunft herumorakelt (man denke nur ans Bleigiessen oder an den Aberglauben, dass man an diesem Tag angeblich Geld in der Tasche haben muss, damit es einem im neuen Jahr nicht ausgeht oder dass man möglichst nur jungen Menschen und schon gar nicht einem Arzt begegnen sollte, wenn man gesund bleiben will).


Einen ernsteren Hintergrund haben die Lieder, mit denen vielerorts Kinder den Erwachsenen „für einen Batzen“ den Neujahrssegen singen. Am meisten verbreitet ist der Neujahrswunsch von Mensch zu Mensch mit einem Handschlag oder in Form einer Gruss- oder Wunschkarte.
Den biblischen Hintergrund für das Neujahrsfest bildete ursprünglich ein Vers aus dem Lukasevangelium (Lk 2,21). Er berichtet von der Beschneidung Jesu.

6. Januar: Epiphanias oder Dreikönigstag


Dieses Fest ist älter als Weihnachten und stammt ursprünglich aus der Ostkirche. Mancherorts wurde die Geburt Jesu gefeiert, überwiegend aber seine Taufe und damit der Beginn seines Wirkens.
Epiphanias heisst „Erscheinung“. Bei der Tauf Jesu im Jordan kam eine Stimme aus dem Himmel und sagte: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Johannes 3,17) – das heisst: Gott ist den Menschen in seinem Sohn erschienen.
Besser bekannt dürfte wohl der 6. Januar als das Fest der Drei Könige oder der Weisen aus dem Morgenland sein. Dieses Fest bezieht sich auf den Besuch der 3 Weisen/Sterndeuter aus dem Morgenland beim Kind in der Krippe.

 

Dreikönigskuchen

 

Bei den Besuchern handelte es sich im Übrigen nicht um drei Könige und schon gar nicht um die heute berühmten Kaspar, Melchior und Balthasar, von denen der eine dunkle Hautfarbe gehabt haben soll. Dies alles sind legendarische Züge, die die Beliebtheit der Erzählung aus dem Matthäusevangelium zeigen. Vermutlich waren es einfach Sterndeuter oder Magier, wie man damals sagte, die sich aus fernen Landen auf zum neuen König machten, da sie einen neuen, hellen Stern gesehen hatten.

 

Bekannte Bräuche am Ende der Weihnachtszeit:
der Dreikönigskuchen mit dem kleinen „König“ – wer ihn findet, ist König/Königin für einen Tag. Auf diesen Tag fallen aber auch oft das Wegräumen der Krippen und das Abräumen der Weihnachtsbäume.

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