Mit dem Sonntag nach Pfingsten (=Trinitatis) beginnt die sogenannte „Festlose Zeit“ im Kirchenjahr.
Trinitatis ist ein „Ideenfest“, d.h. in dessen Zentrum steht nicht eine biblische Erzählung, sonder eine zentrale Aussage des christlichen Glaubens: die Trinität, der Glaube an die Dreieinigkeit. Das Bedürfnis, das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes gottesdienstlich zu feiern, reicht bis in Altertum zurück. Nach langen Streitigkeiten um die Klärung der Gottheit Christi und des Verhältnisses der drei „Personen“ einigten sich die damaligen Theologen auf die Lehre, dass die drei göttlichen Personen einander gleichgestellt wurden. Gebete richteten sich nun nicht mehr an den Vater durch Jesus Christus im Heiligen Geist, sondern Adressaten des Gebets wurden auch Christus und der Heilige Geist, manchmal sogar die Dreieinigkeit selbst.
Welch reiches Gottesbild hinter dieser Vorstellung steckt, das kommt in der heutigen Zeit leider kaum mehr zur Sprache.
Wer sich tiefer einlesen möchte, der kann dies tun mit dem kleinen Büchlein von Helmut Fischer, Haben Christen drei Götter? Entstehung und Verständnis der Lehre von der Trinität, erschienen bei Theologischer Verlag AG 2008; ISBN: 978-3-290-17497-2.
Trinitatis gibt es als eigenständigen Festtag erst seit dem Mittelalter
(erste Messeformulare stammen aber bereits aus 800 n. Chr.). Seine Datierung
war lange strittig. Nun setzt das Ideenfest nach Weihnachten (Werk des Vaters),
Ostern (Werk des Sohnes) und Pfingsten (Werk des Heiligen Geistes) quasi
den dogmatischen Schlusspunkt und gilt als eine Art Bündelung der heilsgeschichtlichen
Ereignisse.
Heute ist Trinitatis kaum mehr wichtig. Das Fest gibt höchstens noch
den nachfolgenden Sonntagen bis zur Adventszeit die Namen. Es beginnt nun
eine Art „zeitlose“ Zeit, die nur mit drei manchmal vier Festen
bis zum Advent unterbrochen wird:
Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag (kurz auch als Bettag bezeichnet) ist in der Schweiz ein staatlich angeordneter überkonfessioneller Feiertag, der von allen christlichen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde gefeiert wird. Er wird heute am dritten Sonntag im September gefeiert und gilt als hoher Festtag: Bis 2000 waren zum Beispiel in Zürich Schiessübungen, Sport- und Tanzveranstaltungen jeder Art untersagt, Ausstellungen, Museen und Kinos blieben geschlossen. Heute sind Veranstaltungen in geschlossenen Räumen gestattet, nichtkommerzielle Ausstellungen und Museen geöffnet – Schiessübungen und öffentliche Versammlungen nicht-religiöser Natur sind jedoch immer noch nicht erlaubt.
Der alljährlich wiederkehrende eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist eine Einladung, sich Zeit zu nehmen und in sich hinein zu hören. Er kann uns Gelegenheit bieten, über unser Leben nachzudenken und Fragen nachzugehen wie: Welche Früchte kann ich aus der Vergangenheit ernten? Was ist mir bisher ganz gut gelungen, wofür habe ich allen Grund dankbar zu sein? Wo sind Dinge und Erlebnisse, die nicht so gut gelaufen sind, und die ich gerne ablegen möchte? Wo soll es in Zukunft mit mir hingehen?
Geschichte des Bettags
Buss- und Bettage hatten in der Schweiz seit dem Spätmittelalter
Tradition und wurden auch von Eidgenössischen Tagsatzungen angeordnet.
Oft wurden in Notzeiten wöchentliche oder monatliche Fasttage
von den Behörden vorgeschrieben.
Beispiele dafür:A
• 1572 wurde nach der Bartholomäusnacht in Zürich
für die verfolgten Hugenotten gebetet
• 1639, nach mehreren Seuchenepidemien während des Dreissigjährigen
Krieges, wurde in St. Gallen erstmals ein Buss- und Bettag durchgeführt
• 1651 wegen des Erdbebens von 1650 in Zürich
• 1619 fand ein erster gemeinsamer Dank- und Bettag der reformierten
Kantone nach der Synode von Dordrecht statt, um für die Einheit
der Reformierten zu danken.
• Ab 1639, nach der Ermordung von Jürg Jenatsch, wurde
der Bettag jährlich aus Dankbarkeit wiederholt, weil die Schweiz
vom Dreissigjährigen Krieg verschont geblieben war. Schon bald
bürgert sich ein Datum im September ein.
• 1643 führten auch die katholischen Kantone einen gemeinsamen
Bettag ein, dessen Datum jedoch nicht mit dem der reformierten Kantone
identisch war.
Während der Aufklärung verlor der Bettag an Bedeutung.
Am 17. September 1797 wurde unter dem Eindruck der Französischen
Revolution erstmals ein gemeinsamer Bettag der katholischen und reformierten
Kantone abgehalten, im nächsten Jahr gab die Zentralregierung
der Helvetischen Republik ein Bettagsmandat für das ganze Land
heraus. 1832 beschloss die Tagsatzung, dass der Bettag am dritten
Sonntag im September gefeiert werden soll. Graubünden hielt sich
bis 1848 nicht daran und beging ihn am 2. Donnerstag im November;
Genf begeht ihn bis heute am Donnerstag, der auf den ersten Septembersonntag
folgt.
Seine besondere Bedeutung erhielt der Feiertag mit der Gründung
des schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848, dem ein liberal-konservativer
bzw. teilweise reformiert-katholischer Bürgerkrieg
(Sonderbundskrieg) vorangegangen war. Der Eidgenössische Dank-,
Buss- und Bettag sollte damit ein Tag sein, der in der politisch und
konfessionell stark fragmentierten Schweiz von den Angehörigen
aller Parteiungen und Konfessionen gefeiert werden konnte und kann.
Er ist damit auch nicht allein konfessionell begründet, sondern
vor allem auch staatspolitisch basiert: Es sollte der Respekt vor
dem politisch und konfessionell Andersdenkenden gefördert werden.
Zum Bettag wurde von den staatlichen Behörden jeweils ein sog.
Bettagsmandat herausgegeben, in dem die Behörden den Bettag anordneten
und jeweils aktuell begründeten. Diese Bettagsmandate wurden
in der Stadt Zürich seinerzeit von Staatsschreiber Gottfried
Keller verfasst. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese Bettagsmandate
nach und nach durch Texte der Kirchen ersetzt.
Danken, Busse tun und Beten – das sind die Inhalte des Bettags.
Seine liturgische Farbe ist Violett. Sie deutet an, dass Danken auch
etwas mit Innehalten, mit „In-Sich-Hineinhören“ und
„In-Sich-Gehen“ zu tun hat. Zeiten der Besinnung und des
Überdenkens braucht vermutlich jeder Mensch in seinem Leben,
sonst läuft er Gefahr, auszubrennen und funktioniert nur noch
statt wirklich zu leben. Momente des „In-Sich-Hineinhörens“
können äusserst kreative Zeiten sein.
Das Erntedankfest hat in einzelnen Gemeinden, vor allem auf dem Land,
eine grosse Bedeutung. Ein einheitliches Datum dafür gibt es
aber nicht. Am weitesten verbreitet ist der erste Sonntag im Oktober.
Reicher Schmuck aus Ernten wie Früchte, Korn oder Wein begleitet
dieses Erntefest.
Gott zu danken für die eingebrachte Ernte ist ein Bedürfnis,
das fast alle Religionen kennen und ihm in ihrer je eigenen Art Ausdruck
geben. Im christlichen Raum feiert man die gute Ernte mit Dank-, die
schlechte mit Bussgottesdiensten. Danken ist etwas, das wir in unserer
Zeit vielleicht ein wenig verlernt haben. Alles scheint selbstverständlich
zu sein, aber ist es das wirklich? Was gibt es denn eigentlich zu
danken?
Wahrer Dank besteht darin, dass man vom Geschenkten auch etwas weitergibt. Viele Kirchen in den Industrieländern rufen daher in der Schöpfungszeit auch zu Spenden für Menschen in der Dritten Welt auf.
In der Kirche wird die Zeit vom September bis Oktober auch von der ökumenischen Organisation Kirche und Umwelt besonders betont. In der sogenannten Schöpfungszeit werden wichtige Themen aufgegriffen (siehe www.oeku.ch).
Bereits im 16. Jahrhundert begegnet man jährlichen Dankgottesdiensten
für die Reformation, die Erneuerung der Kirche. Zunächst
wurde dieses Fest an verschiedenen Daten gefeiert. Meist war dies
der Jahrestag, an dem die Reformation im jeweiligen Gebiet eingeführt
worden war. Mit den Jahrhunderten setzte sich dann einheitlich der
31. Oktober oder der darauf folgende erste Sonntag im November durch.
Am 31. Oktober soll Martin Luther der Legende nach seine 95 Thesen
an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben.
Dies gilt allgemein als der geschichtliche Auftakt der Reformation.
Der Feiertag will in den reformatorischen Kirchen zur Besinnung führen,
zum Rückblick auf das Werk der Reformatoren, aber auch zum Ausblick
auf die ständige Erneuerung der Kirche, die sich nur so den Problemen
und Fragen der Gegenwart stellen und sich mit ihnen auseinander setzen
kann.
Die evangelischen Kirchen verstehen sich nach einem lateinischen Ausdruck
als „erneuerte Kirche, die sich immer von neuem erneuern muss“.
Ein inspirierender Text geschrieben nach den Seligpreisungen aus Matthäus 5 von Hans Domenig, nimmt etwas vom Geist des Reformationsfestes auf:
Glücklich sind, die geistlich nicht zu arm sind, einer verharzten
Kirche den Mut zur Erneuerung zu schenken. Die Zukunft gehört
ihnen.
Glücklich sind, die nicht Leid tragen, wenn die Gemeinde anstelle
der immer gleichen Lieder und der immer im gleichen Trott ablaufenden
Gottesdienste Neues wagt. Dann würden viele getröstet.
Glücklich die Sanftmütigen – nicht die Schlafmütigen,
die das Evangelium als Seelenkissen missbrauchen und im Gottesdienst
mit offenen Augen schlafen. Werde sie das Erdreich besitzen?
Glücklich sind, die nicht nur hungern und dürsten nach der
Gerechtigkeit, sondern auch für sie kämpfen wie ein Martin
Luther King oder ein Dom Helder Camara. Sie bewirken, dass andere
gesättigt werden.
Glücklich sind die nicht allzu Barmherzigen, wenn es um Kritik
an der Kirche geht, dass sie auseinanderzuhalten wissen, ob eine Kirche
egoistisch nur für sich selber da sein will oder ob sie für
andere da ist. Sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Glücklich sind, die reinen Herzens sind in einer Kirche, die
rein ist von der Schminke heuchlerischer Anpasserei, aber mit ausgefahrenen
Antennen nach den Nöten unserer Zeit horcht. In einer solchen
Kirche könnte man Gott schauen.
Glücklich sind die nicht immer Friedfertigen, wenn es darum geht,
für eine saubere Umwelt, sprich Schöpfung Gottes, auf die
Barrikaden zu steigen. Sie sollen Söhne (und Töchter NAe)
Gottes heissen.
Schalenstein auf dem Ottilienberg im Elsass
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke, 11.9.1902, Paris
Unsere Neigung, den Tod zu verdrängen, ist nicht neu. Weil Beerdigungsfeiern
das städtische Leben im 17. Jahrhundert stark prägten, erfolgte
im 18. Jahrhundert eine Gegenreaktion. Man wollte Bestattungen möglichst
aus der Öffentlichkeit verbannen. Als Reaktion auf diese Verdrängung
schlug das Pendel wieder in die andere Richtung um. Es wurde der Ruf
nach allgemeinen Totenfeiern laut. So entstand – als evangelisches
Gegenstück zum katholischen Feiertag Allerseelen – der
Totensonntag. Als Datum einigte man sich auf den letzten Sonntag im
Kirchenjahr, eine Woche vor dem 1. Advent.
An vielen Orten finden an diesem Tag auf dem Friedhof und in der Kirche
Gedenkfeiern statt, in denen man aller Verstorbenen des vergangenen
Kirchenjahres gedenkt. Zum Gedächtnis an die Verstorbenen tritt
die Hoffnung auf ewiges Leben, das den Verstorbenen nun zuteil geworden
ist und hoffentlich auch die Lebenden aufnimmt, wenn diese das letzte
Wegstück auf dieser Erde gehen müssen. Daher kommt zur Bezeichnung
„Totensonntag“ auch der Name „Ewigkeitssonntag“.
Ein gerne gelesener Hoffnungstext an diesem Tag stammt aus der Offenbarung
des Johannes:
1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das
Meer ist nicht mehr.
2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus
dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für
ihren Mann geschmückt hat.
3 Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte
wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen
sein.
4 Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird
nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn
was früher war, ist vergangen.
5 Er, der auf dem Thron saß,
sprach: Seht, ich mache alles neu. (Offb 21,1-5)