Mit dem neunten Sonntag vor Ostern beginnt der Osterfestkreis, der seinerseits in eine vorösterliche Passions- und eine nachösterliche Freudenzeit zerfällt.
Die Passionszeit dauert vom Aschermittwoch bis Karsamstag, insgesamt 40 Tage, wobei die Sonntage nicht mitgezählt werden.
An ihnen wurde nicht gefastet, während die Passionszeit Fastenzeit war.
Ein Baum erzählt seine Geschichte...
Ottilienberg 2009
Zur Einstimmung:
„Wie Christus, so auch die Christen:
Ihren leidenden Erlöser meditierend, ist ihnen aufgegangen, dass Leiden
nicht nur eine Last sein muss; es kann auch
vertiefen und reif machen.“
Als Illustration folgendes Gleichnis von Franz Gypkens:
Ein Mensch konnte nichts Schönes und Gesundes sehen. Als
er in einer Oase einen jungen Palmbaum in bestem Wuchs fand, nahm er einen
schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem
Lachen ging er weiter. Aber die Palme versuchte, die Last abzuwerfen. Sie
schüttelte und bog sich! Vergebens. Sie krallte sich tiefer in den
Boden, bis ihre Wurzeln verborgene Wasseradern erreichten. Diese Kraft aus
der Tiefe und die Sonnenglut aus der Höhe machten sie zu einer königlichen
Palme, die auch den Stein hochstemmen konnte.
Nach Jahren kam der Mann wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu erfreuen.
Da senkte die kräftigste Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte:
‚Ich muss dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht!‘“

Da der Ostertermin mit dem ersten Frühlingsvollmond wandert
(frühester Ostertermin 22. März und spätester Ostertermin
25. April), ergibt sich auch eine unterschiedliche Zahl der Sonntage
zwischen dem Weihnachts- und Osterfestkreis. Es sind dabei mindestens
4 maximal 10 Sonntage zwischen dem Ende der Weihnachtszeit und dem
Beginn der Fastenzeit.
Da es sich um sogenannt „normale“ Sonntage im Kirchenjahr
handelt, werden sie durch die liturgische Fabre Grün gekennzeichnet.
Ihre Namen sind:
1. Sonntag nach Epiphanias
2. Sonntag nach Epiphanias
… es wird weitergezählt entsprechend den Sonntagen bis
zum
letzten (6.) Sonntag nach Epiphanias.
Dann kommen die Sonntage der Vorfastenzeit:
3. Sonntag vor der Passionszeit (Septuagesimae = Siebzig Tage vor
Ostern)
für Sportfans dürften die Verse aus dem 1.Korintherbrief
9,24-27, die in den evangelischen Kirchen für diesen Sonntag
ausgewählt worden sind, besonders spannend sein. Der Glaubenskampf
wird nämlich mit Bildern aus dem Bereich des antiken Sports (Wettlauf,
Fechten) beschrieben.
2. Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimae = sechzig Tage vor Ostern)
Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi = Sei mir ein starker Fels
und eine Burg)
Dieser Sonntag hat seinen Namen nach dem Eingangsvers aus Psalm 31.
Die Sonntage der Vorfastenzeit sind vermutlich im 6. Jahrhundert
eingeführt worden. Die liturgische Farbe all dieser Sonntage
ist Grün.
Höhepunkte der Vorfastenzeit sind Karneval, Fasching oder Fastnacht.
Vermutlich zeigen sich in diesen Aktivitäten alte Frühlings-
und Fruchtbarkeitsbräuche (Winteraustreiben) und auch das Bedürfnis
vor der Fastenzeit noch einmal in Ausgelassenheit und Mummenschanz
das Leben in vollen Zügen zu geniessen.

Es handelt sich um den Mittwoch vor dem ersten Fastensonntag. Mit
ihm beginnt die eigentlich 40 tägige Vorbereitungszeit auf Ostern
hin. In den reformierten Kirchen ist dieser Tag kaum bekannt und wird
wenig oder gar nicht begangen. Anders in den anderen christlichen
Konfessionen: er ist ein Tag der Busse und des In-sich-Gehens. Wer
sich in eine Bussfeier z.B. der röm.-kath. Kirche wagt, der wird
ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet erhalten. Die Asche stammt
übrigens aus den Palmzweigen vom Palmsonntag des vorausgegangenen
Jahres.
Mit dem Aschermittwoch beginnt auch die Fastenagenda des evangelischen
Hilfswerks Brot für alle, die in alle Haushalte verteilt wird.
Jedes Jahr veranstaltet das Hilfswerk in der Fastenzeit eine Kampagne,
in der es um faire Bedingungen für alle Menschen auf der Erde
geht. Ein Blick in diese Agenda und auch auf die Homepage der Aktion
Brot für alle
(www.oekumenischekampagne.ch/cms/index.php?id=10 ) könnte spannend sein…
Der Sonntag Invokavit hat die Geschichte der Versuchung Jesu (Matthäus 4,1-11) zum Thema. Versuchung ist inzwischen zu einem altertümlichen Begriff geworden, vor allem deshalb, weil die Frage nach dem Versuchenden immer deutlicher gestellt wurde und wird. Gibt es ihn überhaupt? Entspringt die Versuchung nicht ausschließlich in einem selbst? Diese Entwicklung muss auf jeden Fall berücksichtigt werden, wenn wir von Versuchung sprechen.
Die Vorstellung eines leibhaftigen Versuchers als des Teufels ruft
höchstens noch ein müdes Lächeln hervor. Die Frage
nach dem Versuchenden bleibt, sei es nun die Person selbst oder eine
von außen wirkende Kraft. Und immerhin finden wir den Begriff
noch in der deutschen Sprache, wenn z.B. gesagt wird: "Ich bin
versucht, das und das zu kaufen." Aber hier hat es gewiss nicht
mehr den Sinn, den es in der Bibel hat.
Der Sonntag Reminiszere hat das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Markus 12,1-12) zum Thema. Es geht dabei um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Wohl wissend, was sie tun, bringen die Weingärtner den Sohn des Besitzers um, hoffend, dass sie dann den ganzen Besitz für sich einstreichen können. Ganz offensichtlich soll das Gleichnis darauf hindeuten, dass die Menschen, die eine Verantwortung von Gott übertragen bekommen haben, das ihnen Anvertraute lieber als ihr Eigentum ansehen wollen und dabei die Rechte Gottes (und damit auch seine Macht) mißachten.
Die Frage dieses Sonntags und dieser Woche ist daher die nach unserem
Verhältnis zu Gott. Sie wird allerdings schwierig zu beantworten
sein, denn wie mißt man ein solches Verhältnis? Sobald
man zu messen beginnt, ist man ja nicht mehr Betroffener, sondern
"Richter", und stellt sich damit jenseits dessen, was einen
zutiefst persönlich angeht. Und das kann nicht gut gehen. Soll
man andere den Maßstab anlegen lassen? Auch das ist nicht im
Sinne des Evangeliums. Bleibt nur das "Innewerden", das
"Auf-Sich-Besinnen", als Möglichkeit, über das
eigene Verhältnis zu Gott nachzudenken und, falls nötig,
Konsequenzen zu ziehen.
Der Sonntag Okuli hat das Thema "Konsequente Nachfolge" (Lukas 9,57-62). In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter. Der Sonntag Okuli stellt eine Zäsur in den Fastenwochen dar, in der bereits ein Blick auf die kommenden Ereignisse der Karwoche geworfen werden kann.
Der Sonntag Laetare steht in der Mitte der Fastenzeit und wird
deshalb auch "Mittfasten" genannt. Ein anderer Name für
diesen Sonntag aufgrund des Evangeliums von der Brotvermehrung ist
"Brotsonntag". In der römischen Kirche wird der Sonntag
auch als "Rosensonntag" bezeichnet, weil an ihm der Papst
eine goldene Rose weihte, die angesehenen Persönlichkeiten
oder Instituten, die sich um die römische Kirche verdient gemacht
hatten, verliehen wurde. Dieser Brauch wird heute nicht mehr wahrgenommen.
Aber vielleicht wird er im Rosenverkauf in der Aktion des Hilfswerkes
Brot für alle wieder aufgenommen?
Am Sonntag Laetare tritt Gottes Handeln an uns in den Vordergrund
als Antwort auf unsere Verfehlungen. Dadurch wird der wichtige Aspekt
des Evangeliums deutlich, dass wir eben in erster Linie durch Gottes
Hilfe frei werden von unseren Verfehlungen, und nicht durch unsere
eigenen Werke. Damit gewinnt die Fastenzeit nun einen gewissen fröhlichen
Charakter.
Der Sonntag Judika hat als Thema unsere Antwort auf Gottes Handeln
und Gebot, die unaufgebbare Dualistik der Gnade Gottes: wenn sie nicht
angenommen wird, kann sie auch nicht wirken. Es ist die Freiheit der
Selbstentscheidung, von Gott geschenkt, die uns auch das Verderben
bringen kann. Die Texte zeigen uns in teilweise grausamer Härte,
wie Gehorsam immer auch zum Segen führt.
Früher war dieser Sonntag der eigentliche Beginn der Passionszeit:
mit dem sogenannten Hungertuch wurde der Altar verhüllt. Heute
besteht die Tradition der Hungertücher noch – auch in der
Kampagne von Brot für alle: sie verhüllen aber nicht mehr
den Altar oder Abendmahlstisch, sondern sind geschmückt mit Bildern,
die entweder Szenen aus der Passion Jesu darstellen oder zeitgenössische
Passionserfahrungen aufnehmen. Heute kommen die Hungertücher
meist von KünstlerInnen aus der 3. Welt (nebenstehend aus Haiti).
Als Bildmeditationen können sie in Passionsandachten verwendet
werden.
Die evangelischen Kirchen hielten es mit den Fastengeboten nicht so streng, dennoch gibt es einige Familien, die in der Karwoche kein Fleisch essen. Wesentlich strenger wird – und wurde vor allem früher – darauf geachtet, dass in den vierzig Tagen vor Ostern Ausgelassenheit und Vergnügen aller Art, vor allem Tanz- und Theaterveranstaltungen, unterbleiben, ja nicht einmal Hochzeiten stattfinden. Dies hat sich in der heutigen Zeit sehr stark verändert.
Der Name dieses Sonntags geht auf die Palmzweige zurück, mit
denen das Volk Jesus bei seinem triumphalen Einzug in Jerusalem zuwinkte:
„Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ Alle 4
Evangelien berichten von diesem Ereignis (Matthäus 21,1-11; Markus
11,1-11; Lukas 19,29-40; Johannes 12,12-19).
Eine festliche Prozession, die an dieses Geschehen erinnern soll,
bezeugt als erste um das Jahr 400 eine Pilgerin in ihrem Reisebericht:
Ein Bischof versammelte das Volk auf dem Ölberg bei Jerusalem.
Dann schritten alle, auch Kleinkinder und Alte den Berg hinunter.
„Alle halten Zweige von Palmen oder Ölbäumen in der
Hand, und so geleiten sie den Bischof auf dieselbe Weise, wie damals
der Herr geleitet wurde.“ Von Jerusalem breitete sich die Feier
des Palmsonntags nur sehr langsam nach Europa aus. Erste dramatisch-liturgische
Nachahmungen und Darstellungen sind erst ab dem 8. Jahrhundert in
Europa bezeugt. Im Mittelalter wurden die Prozessionen festlich ausgebaut.
Es kam sogar zu Prozessionen, die Christusfigur auf einem hölzernen
Esel (Palmesel) mitführten.
Palmsonntag ist zeitlos. Besonders im Sport lassen sich solche „Palmsonntagsprozessionen“
miterleben: wie schnell werden gute Sportler hochgejubelt nach einem
grossen Erfolg – aber wie schnell werden sie auch wieder fallen
gelassen bei einem kleinen Fehltritt oder Misserfolg… Im Kleinen
lassen sich Palmsonntagserfahrungen vermutlich in jedem Menschenleben
ausmachen.
Im Volksglauben schrieb man den an Palmsonntag im Gottesdienst gesegneten
Zweigen eine magische Wirkung zu: sie sollten Schäden vom Haus
und seinen Bewohnern abwenden können. So ass man Knospen und
Triebe geweihter Zweige, um Krankheiten vorzubeugen, steckte Palmzweige
in Kreuzform auf die Äcker oder verbrannte sie, um damit Unwetter,
Blitz und Hagel fernzuhalten. Sie konnten auch an Kruzifixen im Haus
angebracht werden, um seine Bewohner vor jedem Ungemach zu schützen
(dieser Brauch ist auch heute noch weit verbreitet).
Die Bezeichnung „Gründonnerstag“ leitet sich wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen gronan = weinen ab. Die Büsser, die am Anfang der Fastenzeit von den Gottesdiensten ausgeschlossen wurden, durften an diesem Tag wieder in die kirchliche Gemeinschaft eintreten und so dürfte sich auch das Weinen erklären.
Biblisch findet sich der Hintergrund von Gründonnerstag in Jesu
Feier des Abendmahls, des letzten gemeinsamen Mahls vor seinem Tod
und der Erfahrung der Verlassenheit im Garten Getsemane. Weitere Motive,
die auch die Nachtwachen an diesem Tag prägen können sind
das nächtliche Gebet Jesu in Getsemane, seine Verhaftung, das
Verhör vor dem Hohen Rat und die Verleugnung des Petrus (Matthäus
26; Markus 14; Lukas 22 und Johannes 18). Grundsätzlich wird
Gründonnerstag heute als Tag der Einsetzung unseres Sakramentes
des Abendmahls verstanden. Unser Abendmahl – das ist Gemeinschaft,
Vergebung, Verinnerlichung, Stärkung und Zeichen der liebenden
Fürsorge unseres Gottes … und noch viel, viel mehr...
Der Abend des Gründonnerstages eröffnet eigentlich die Feier
der Drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung
Jesu.
Die Liturgische Farbe des Karfreitags ist häufig auch Schwarz,
die Farbe der Trauer. In manchen Kirchen fehlt an diesem Tag jeglicher
Blumenschmuck und auch die Osterkerze brennt nicht.
Das Wort „Kar“ kommt vermutlich vom althochdeutschen „kara“,
was Wehklagen bedeutet. In den ersten Jahrhunderten wurde der Karfreitag
nicht gottesdienstlich begangen. Wohl aber ist der Brauch bezeugt,
am Karfreitag und Karsamstag zum Gedenken an den Tod und die Grabesruhe
Jesu zu fasten. Erst ab dem 4. Jahrhundert finden sich Hinweise auf
eine gottesdienstliche Feier.
In den Evangelischen Kirchen wird Karfreitag als einer der höchsten
Feiertage begangen – in der röm.-kath. Tradition hingegen
gab es Zeiten, in denen dieser Tag als normaler Werktag begangen wurde.
Er galt als Buss- und Fastentag, an dem die beschwerlichsten und unangenehmsten
Arbeiten erledigt wurden. Heute hat er allgemein zentrale Bedeutung
als Sterbetag Jesu. Eine grosse Tradition besitzen die Karfreitagskonzerte,
in denen die Passionen von Bach, Schütz, Händel und anderen
Komponisten das Leiden und Sterben Jesu nahebringen.
Den biblischen Hintergrund bilden die Berichte rund ums Sterben Jesu
in den Evangelien (Matthäus 26 und 27; Markus 14 und 15; Lukas
22 und 23; Johannes 18 und 19).
Gedanken zu Karfreitag von Hans Domenig:
Kreuzigungsszene, Hauskapelle der Haute Koenigsburg, Elsass
Es ist eigenartig, dass wir Christen dich meistens als den Leidenden
in den Kirchen aufstellen. Willst du das wirklich?... Wir könnten
dich doch auch ganz anders zeigen: als den Lehrenden zum Beispiel,
oder den Betenden oder den Segnenden. Stattdessen meditieren wir dich,
wie du dich auspeitschen und fesseln lässt oder blutüberströmt
am Kreuz hängst. So bist du für uns der Schwache. Aber wir
fühlen es: dein Schwachsein gibt uns Kraft…
Du kennst das Schwachsein – wie wir Menschen – und kommst
dadurch ganz in unsere vertraute Nähe. Du musst einen bitteren
Kelch austrinken – wie wir Menschen-, doch der deinige ist noch
bitterer. Aber dadurch fühlen wir uns von dir verstanden. Du
windest dich in Verzweiflung, und auch dir geht nicht alles nach Willen
– wie uns Menschen - , die viele ihrer Lebensträume entfliehen
sehen.
Durch deine Not also bist du uns nahe. Doch wir möchten dir nicht
nur dann nahe sein, wenn du gebrochen bist. Wir möchten auch
von deiner Herrlichkeit etwas fühlen, die deinen Schmerzensschreien
folgt. Darum: Lass es bald Ostern werden!
Mit Ostern beginnt der Osterfestkreis, der mit Pfingsten abgeschlossen wird. Die 50 tägige Freudenzeit wird bereits in Zeugnissen aus dem 2. Jahrhundert genannt. Diese Zeitspanne hat übrigens auch Pfingsten den Namen gegeben: griech. Pentekoste – was sich noch im heutigen frz. pentecôte deutlich zeigt. Die ganze Zeit galt als einziger, ungeteilter Festtag – bestimmt durch das österliche Geheimnis der Auferstehung, des Weges vom Dunkeln ins Licht, vom Tod ins Leben.
Der Gottesdienst der Osternacht galt lange als das bedeutendste Fest
des ganzen Jahres. Ostern, die Auferstehung Jesu, die wir im Frühling
feiern, bildete so das Zentrum des christlichen Festzyklus‘
und ist es heute in der Ostkirche immer noch. Wie verschieden die
Bräuche um die Feiern des Osterfestes auch sind. Allen Bräuchen
gemeinsam ist der Jubel über die Auferstehung und die Hoffnung,
dass nicht nur Jesus, sondern auch die Gläubigen ihr eigenes
Ostern erleben werden.
Das Fest fällt immer auf die Zeit zwischen dem 22. März
und dem 25. April. Das Datum lässt sich auf folgende Weise bestimmen:
nach dem Frühlingsanfang (21. März) muss man den nächsten
Vollmond abwarten. Der Sonntag, der auf diesen Vollmond folgt, ist
der Ostertag.
Der Name Ostern kommt vermutlich vom althochdeutschen „ostara“,
was die Richtung nach Osten, nach Sonnenaufgang bedeutet.
Alle vier Evangelien (Matthäus 28,1-20; Markus 16,1-19; Lukas
24,1-49; Johannes 20,1-31) berichten von den Ereignissen rund um Ostern,
dabei lassen sich kleine Nuancen je nach Situation der Gemeinde und
auch der Verfasser ausmachen, wenn alle 4 Berichte nebeneinander gelesen
werden. Im Johannesevangelium findet sich die wohl bekannteste Schilderung:
die Begegnung der Maria Magdalena mit dem Auferstandenen (Joh 20,1-18).
Liturgisch wird das Osterfest meist mit einem Osterfeuer vor der Kirche und der Segnung der neuen Osterkerze gefeiert, die dann das Licht in die Kirche bringt. Die heutigen Feiern in der reformierten Kirche unterscheiden sich aber hinsichtlich der Gestaltung sehr stark. Allen gemeinsam ist jedoch: das Licht der Welt hält Einzug in die Kirche. Symbolisch wird also ein Lichtritus den Ostermorgen prägen.
Übrigens galt in der Frühzeit der Kirche die Osternacht
als der Tauftermin schlechthin, denn in der vorausgehenden Fastenzeit
konnte der Taufunterricht stattfinden. Damals handelte es sich meist
um Erwachsenentaufen – mit ganzen Familien wurden aber auch
Kinder bereits getauft.
Ostereier haben vermutlich im vorislamischen Orient (also vor dem
7. Jahrhundert) ihren Ursprung. Sie sind ein deutliches Symbol für
keimendes Leben. Zuerst ist es noch eingeschlossen wie Jesus im Grab,
doch dann bricht es durch, wenn das Küken ausschlüpft. Dass
Eier bemalt werden, soll ein Ausdruck der Lebensfreude sein. Während
der Fastentage war ihr Genuss ja vermutlich verboten.
Der Osterhase: in der Antike galt der Hase als Tier der Fruchtbarkeit.
Seine grosse Wachsamkeit und seine – zumindest für den
oberflächlich beobachtenden Menschen – stets offenen Augen
sind ein Bild der Vorsehung Gottes, aber auch ein Sinnbild des Auferstandenen,
der in seinem Grab wach gewesen sei.
Wie an anderen Festtagen gibt es auch traditionelle Speisen an Ostern:
neben Eiern vor allem Lamm- oder Zickleinbraten und vielfältiges
Ostergebäck.
Andere Bräuche sind der Osterspaziergang in Anlehnung an den
Gang der Jünger nach Emmaus (Lukas 24,13-35). Es gibt auch die
Tradition des Besuchs auf dem Friedhof am frühen Morgen, wo Auferstehungslieder
gesungen und eine Kerze angezündet wird.
Leider völlig in Vergessenheit geraten ist die gottesdienstliche
Tradition des Osterlachens: früher war der Prediger verpflichtet,
mit Witzen die Gemeinde zum „Osterlachen“ zu bringen.
Hier eine Kostprobe:
Schon seit zwanzig Jahren betet Gustav an jedem Wochenende: „Lieber Gott, lass mich bitte in der Lotterie gewinnen.“ Doch nie gewinnt er. Als er es eines Tages wieder versucht, erstrahlt sein Zimmer plötzlich in hellem Licht und eine tiefe Stimme sagt: „Gib mir doch eine Chance, Gustav, kauf dir endlich ein Los!“
Ein typisches Symbol ist die Osterglocke, die mit ihrer Sternförmigen
Blüte von der Auferstehung zu berichten weiss: aus dem Stern
ergeben sich die griechischen Buchstaben I und X, was wiederum Jesus
Christus bedeutet. Und die Osterglocke sucht sich durch das Dunkel
der Erde den Weg ans Licht des Tages.
Biblisch finden sich die Texte, die von diesem Ereignis erzählen im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte (Lukas 24,50-53; Apostelgeschichte 1,1-14). Als christliches Fest ist Christi Himmelfahrt in der heutigen Zeit stark verblasst – der Mai wird meist vom Mutter- und Vatertag geprägt.
Die ersten Gemeinden kannten auch noch kein eigenes Fest „Christi
Himmelfahrt“ – dieses wurde in die Feier vom 50. Tag nach
Ostern in die Feier des Gedächtnisses der Geistsendung (Pfingsten)
integriert. Erst ab dem 4. Jahrhundert gibt es Zeugnisse, dass in
manchen Regionen am 40. Tag nach Ostern Christi Himmelfahrt gefeiert
wurde entsprechend der Chronologie aus dem Lukasevangelium / der Apostelgeschichte.
Bereits im 5. Jahrhundert setzte sich dann der Brauch dieses Festes
im Osten wie im Westen durch. Christi Himmelfahrt will an den Abschied
Jesu von seinen Jüngern erinnern. Weil dies auf dem Ölberg
geschah, also im Freien, feiern viele Gemeinden an diesem Tag Feldgottesdienst.
Trotz Verboten in der Aufklärungszeit konnten sich lange massiv-dramatische
Darstellungen von Christi Himmelfahrt halten: zu Orgelklängen
konnte dabei eine riesige Christusfigur aus Holz mittels einer Seilwinde
in die Höhe gezogen werden, bis sie in einer Luke in der Kirchendecke
verschwand.
Wichtig ist, dass die Himmelfahrt Christi nicht als ein blosses Hinaufschweben
in den „materiellen“ Himmel verstanden wird, sondern eher
als ein Entschwinden in eine Sphäre oder in eine Dimension, die
uns verschlossen ist. Somit erweist sich Christi Himmelfahrt als Fest
des Übergangs. Vielleicht ist es ja auch religiös gedeutet
ein Zeichen des Übergangs eines Glaubens, der erwachsen werden
will und muss?
Pfingsten ist der 50. Tag nach Ostern, neben diesem und dem Weihnachtsfest ist es das dritte Hauptfest der Christen. Das wird mit einem zweiten Feiertag (Pfingstmontag) unterstrichen. Es ist das Fest des Kommens des Heiligen Geistes. Jesus verspricht im Johannesevangelium in den Abschiedsreden seinen Nachfolgern, dass er ihnen einen „Tröster“ senden wird, der ihnen Kraft gibt (Joh 14,23-27). Die biblische Fundierung des Festes findet sich aber in der Apostelgeschichte 2,1-18:
Glaskunst aus Taizé: Der Heilige Geist
1 Als nun die Zeit erfüllt und der Tag des Pfingstfestes gekommen
war, waren sie alle beisammen an einem Ort. 2 Da entstand auf einmal
vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt,
und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen; 3 und es erschienen
ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jeden von
ihnen liess eine sich nieder. 4 Und sie wurden alle erfüllt von
heiligem Geist und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie der
Geist es ihnen eingab. 5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer
aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun jenes Tosen entstand,
strömte die Menge zusammen, und sie waren verstört, denn
jeder hörte sie in seiner Sprache reden. 7 Sie waren fassungslos
und sagten völlig verwundert: Sind das nicht alles Galiläer,
die da reden? 8 Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache
hört? 9 Parther und Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien,
von Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asia, 10
von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem kyrenischen
Libyen, und in der Stadt weilende Römer, 11 Juden und Proselyten,
Kreter und Araber - wir alle hören sie in unseren Sprachen von
den grossen Taten Gottes reden. 12 Sie waren fassungslos, und ratlos
fragte einer den andern: Was soll das bedeuten? 13 Andere aber spotteten
und sagten: Die sind voll süssen Weins.
14 Petrus aber trat vor, zusammen mit den elfen, erhob seine Stimme
und sprach: Ihr Juden und all ihr Bewohner Jerusalems, dies sei euch
kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Diese Männer sind nicht betrunken,
wie ihr meint; es ist doch erst die dritte Stunde des Tages. 16 Nein,
hier geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:
17 Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott,
da werde ich von meinem Geist ausgiessen über alles Fleisch,
und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen,
und eure jungen Männer werden Gesichte sehen,
und eure Alten werden Träume träumen.
18 Und auch über meine Knechte und über meine Mägde
werde ich in jenen Tagen
von meinem Geist ausgiessen, und sie werden weissagen.
Mit der Sendung des Heiligen Geistes erhalten die Menschen die göttliche
Lebenskraft.
Doch was ist mit dem „Heiligen Geist“ (übrigens ist
dieser in der hebräischen Ursprache ein feminines Wort…)
gemeint, wann weht er und wo ist er? Darauf hat Hans Domenig ganz
schöne Antworten gefunden:
Was ist der heilige Geist?
Gott ist nicht nur Schöpfer und Erhalter der Welt… sondern
wohnt auch in unserem Innern. Gott in uns Menschen, das heisst heiliger
Geist. Das haben die Jünger damals in Jerusalem erfahren, das
nannten sie die Ausgiessung des Heiligen Geistes – ein Ereignis,
das nicht einmalig war, sondern sich ständig widerholt, auch
bei uns Menschen von heute.
Wann weht der heilige Geist?
Wann er will – und nicht, wann die Menschen wollen. Er lässt
sich weder herbeizaubern noch herabbeten. Er ist einfach da –
oder auch nicht…
Wo ist der heilige Geist?
Wo einer spontan bei einem Trauernden die Klingel drückt.
Wo zwei Bauern Gott für den Regen danken, nach welchem die Wiesen
gedürstet haben.
Wo ein Kirchgänger sich in der viel zu grossen Stadtkirche nicht
alleine fühlt…
Im Neuen Testament ist ursprünglich nicht Pfingsten beschrieben,
sondern mit Pentekoste wird das jüdische Wochenfest geschildert.
Wie bei Ostern, das mit dem jüdischen Passahmahl zusammenhängt,
zeigt sich auch in Pfingsten der jüdisch-christliche Traditionszusammenhang.
Seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts wird nach den 50
Tagen der Freude ein eigenständiges Pfingstfest gefeiert, das
theologisch mit der Ausgiessung des Heiligen Geistes verbunden ist.
Das Brauchtum um Pfingsten ist weniger prägnant als zu den anderen Festzeiten des Kirchenjahres. Das kommt vermutlich daher, dass sein Inhalt kaum mehr bekannt ist. Wenn überhaupt noch Brauchtum gepflegt wird, dann erscheinen grüne Zweige an den Häuser oder Pfingstbäumchen (Birken). Die Zweige sind wie die Palmenzweige an Palmsonntag als Huldigung zu verstehen. Es gibt auch Pfingsttänze und Umzüge. Das Pfingstfest drängt noch stärker nach draussen als Himmelfahrt. Nicht zufällig sind Pfingsttage Ausflugszeit par excellence. Früher gab es auch kuriose Bräuche wie das Herabschweben einer Holztaube auf die Gemeinde oder das Fliegenlassen einer Taube im Kirchenraum als Zeichen für die Anwesenheit des Heiligen Geistes.
Pfingsten bedeutet eigentlich ursprünglich nicht den Geburtstag
der Kirche: Pfingsten bedeutet, ergriffen zu werden von göttlicher
Lebenskraft und menschlicher Lebenslust, individuell und gemeinschaftlich.
In der populären Literatur erscheint Pfingsten häufig auch
als der „Festtag der Liebe“.