Der Osterfestkreis

 

Mit dem neunten Sonntag vor Ostern beginnt der Osterfestkreis, der seinerseits in eine vorösterliche Passions- und eine nachösterliche Freudenzeit zerfällt.
Die Passionszeit dauert vom Aschermittwoch bis Karsamstag, insgesamt 40 Tage, wobei die Sonntage nicht mitgezählt werden.
An ihnen wurde nicht gefastet, während die Passionszeit Fastenzeit war.

 

Passionsbaum

Ein Baum erzählt seine Geschichte...
Ottilienberg 2009

 

Zur Einstimmung:


„Wie Christus, so auch die Christen:
Ihren leidenden Erlöser meditierend, ist ihnen aufgegangen, dass Leiden nicht nur eine Last sein muss; es kann auch
vertiefen und reif machen.“

 

 

Als Illustration folgendes Gleichnis von Franz Gypkens:

 

Ein Mensch konnte nichts Schönes und Gesundes sehen. Als er in einer Oase einen jungen Palmbaum in bestem Wuchs fand, nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem Lachen ging er weiter. Aber die Palme versuchte, die Last abzuwerfen. Sie schüttelte und bog sich! Vergebens. Sie krallte sich tiefer in den Boden, bis ihre Wurzeln verborgene Wasseradern erreichten. Diese Kraft aus der Tiefe und die Sonnenglut aus der Höhe machten sie zu einer königlichen Palme, die auch den Stein hochstemmen konnte.
Nach Jahren kam der Mann wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu erfreuen. Da senkte die kräftigste Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte: ‚Ich muss dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht!‘“

 

Vorfastenzeit: Sonntage zwischen Dreikönige und beginnender Fastenzeit

 

Grüner Kranz

 

Da der Ostertermin mit dem ersten Frühlingsvollmond wandert (frühester Ostertermin 22. März und spätester Ostertermin 25. April), ergibt sich auch eine unterschiedliche Zahl der Sonntage zwischen dem Weihnachts- und Osterfestkreis. Es sind dabei mindestens 4 maximal 10 Sonntage zwischen dem Ende der Weihnachtszeit und dem Beginn der Fastenzeit.
Da es sich um sogenannt „normale“ Sonntage im Kirchenjahr handelt, werden sie durch die liturgische Fabre Grün gekennzeichnet. Ihre Namen sind:
1. Sonntag nach Epiphanias
2. Sonntag nach Epiphanias
… es wird weitergezählt entsprechend den Sonntagen bis zum
letzten (6.) Sonntag nach Epiphanias.

 

 

Dann kommen die Sonntage der Vorfastenzeit:

 

3. Sonntag vor der Passionszeit (Septuagesimae = Siebzig Tage vor Ostern)
für Sportfans dürften die Verse aus dem 1.Korintherbrief 9,24-27, die in den evangelischen Kirchen für diesen Sonntag ausgewählt worden sind, besonders spannend sein. Der Glaubenskampf wird nämlich mit Bildern aus dem Bereich des antiken Sports (Wettlauf, Fechten) beschrieben.

 

2. Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimae = sechzig Tage vor Ostern)

 

Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi = Sei mir ein starker Fels und eine Burg)
Dieser Sonntag hat seinen Namen nach dem Eingangsvers aus Psalm 31.

 

Die Sonntage der Vorfastenzeit sind vermutlich im 6. Jahrhundert eingeführt worden. Die liturgische Farbe all dieser Sonntage ist Grün.
Höhepunkte der Vorfastenzeit sind Karneval, Fasching oder Fastnacht. Vermutlich zeigen sich in diesen Aktivitäten alte Frühlings- und Fruchtbarkeitsbräuche (Winteraustreiben) und auch das Bedürfnis vor der Fastenzeit noch einmal in Ausgelassenheit und Mummenschanz das Leben in vollen Zügen zu geniessen.

Aschermittwoch – Beginn der Fastenzeit:

 

Roter Kranz

 

Es handelt sich um den Mittwoch vor dem ersten Fastensonntag. Mit ihm beginnt die eigentlich 40 tägige Vorbereitungszeit auf Ostern hin. In den reformierten Kirchen ist dieser Tag kaum bekannt und wird wenig oder gar nicht begangen. Anders in den anderen christlichen Konfessionen: er ist ein Tag der Busse und des In-sich-Gehens. Wer sich in eine Bussfeier z.B. der röm.-kath. Kirche wagt, der wird ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet erhalten. Die Asche stammt übrigens aus den Palmzweigen vom Palmsonntag des vorausgegangenen Jahres.
Mit dem Aschermittwoch beginnt auch die Fastenagenda des evangelischen Hilfswerks Brot für alle, die in alle Haushalte verteilt wird. Jedes Jahr veranstaltet das Hilfswerk in der Fastenzeit eine Kampagne, in der es um faire Bedingungen für alle Menschen auf der Erde geht. Ein Blick in diese Agenda und auch auf die Homepage der Aktion Brot für alle (www.oekumenischekampagne.ch/cms/index.php?id=10 ) könnte spannend sein…

1. Fastensonntag: Invokavit (= Er hat mich angerufen… Psalm 91,15)

Der Sonntag Invokavit hat die Geschichte der Versuchung Jesu (Matthäus 4,1-11) zum Thema. Versuchung ist inzwischen zu einem altertümlichen Begriff geworden, vor allem deshalb, weil die Frage nach dem Versuchenden immer deutlicher gestellt wurde und wird. Gibt es ihn überhaupt? Entspringt die Versuchung nicht ausschließlich in einem selbst? Diese Entwicklung muss auf jeden Fall berücksichtigt werden, wenn wir von Versuchung sprechen.


Die Vorstellung eines leibhaftigen Versuchers als des Teufels ruft höchstens noch ein müdes Lächeln hervor. Die Frage nach dem Versuchenden bleibt, sei es nun die Person selbst oder eine von außen wirkende Kraft. Und immerhin finden wir den Begriff noch in der deutschen Sprache, wenn z.B. gesagt wird: "Ich bin versucht, das und das zu kaufen." Aber hier hat es gewiss nicht mehr den Sinn, den es in der Bibel hat.

2. Fastensonntag: Reminiszere (= Gedenke Herr… Psalm 25,6)

Der Sonntag Reminiszere hat das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Markus 12,1-12) zum Thema. Es geht dabei um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Wohl wissend, was sie tun, bringen die Weingärtner den Sohn des Besitzers um, hoffend, dass sie dann den ganzen Besitz für sich einstreichen können. Ganz offensichtlich soll das Gleichnis darauf hindeuten, dass die Menschen, die eine Verantwortung von Gott übertragen bekommen haben, das ihnen Anvertraute lieber als ihr Eigentum ansehen wollen und dabei die Rechte Gottes (und damit auch seine Macht) mißachten.


Die Frage dieses Sonntags und dieser Woche ist daher die nach unserem Verhältnis zu Gott. Sie wird allerdings schwierig zu beantworten sein, denn wie mißt man ein solches Verhältnis? Sobald man zu messen beginnt, ist man ja nicht mehr Betroffener, sondern "Richter", und stellt sich damit jenseits dessen, was einen zutiefst persönlich angeht. Und das kann nicht gut gehen. Soll man andere den Maßstab anlegen lassen? Auch das ist nicht im Sinne des Evangeliums. Bleibt nur das "Innewerden", das "Auf-Sich-Besinnen", als Möglichkeit, über das eigene Verhältnis zu Gott nachzudenken und, falls nötig, Konsequenzen zu ziehen.

3. Fastensonntag: Okuli (= Meine Augen… Psalm 25,15)

Der Sonntag Okuli hat das Thema "Konsequente Nachfolge" (Lukas 9,57-62). In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter. Der Sonntag Okuli stellt eine Zäsur in den Fastenwochen dar, in der bereits ein Blick auf die kommenden Ereignisse der Karwoche geworfen werden kann.

4. Fastensonntag: Laetare (Freue dich… Jesaja 66,10)

Goldene Rose

 

 

 

Der Sonntag Laetare steht in der Mitte der Fastenzeit und wird deshalb auch "Mittfasten" genannt. Ein anderer Name für diesen Sonntag aufgrund des Evangeliums von der Brotvermehrung ist "Brotsonntag". In der römischen Kirche wird der Sonntag auch als "Rosensonntag" bezeichnet, weil an ihm der Papst eine goldene Rose weihte, die angesehenen Persönlichkeiten oder Instituten, die sich um die römische Kirche verdient gemacht hatten, verliehen wurde. Dieser Brauch wird heute nicht mehr wahrgenommen. Aber vielleicht wird er im Rosenverkauf in der Aktion des Hilfswerkes Brot für alle wieder aufgenommen?
Am Sonntag Laetare tritt Gottes Handeln an uns in den Vordergrund als Antwort auf unsere Verfehlungen. Dadurch wird der wichtige Aspekt des Evangeliums deutlich, dass wir eben in erster Linie durch Gottes Hilfe frei werden von unseren Verfehlungen, und nicht durch unsere eigenen Werke. Damit gewinnt die Fastenzeit nun einen gewissen fröhlichen Charakter.

5. Fastensonntag: Judika (Schaffe mir Recht… Psalm 43,1)

Hungertuch aus Haiti

 

Der Sonntag Judika hat als Thema unsere Antwort auf Gottes Handeln und Gebot, die unaufgebbare Dualistik der Gnade Gottes: wenn sie nicht angenommen wird, kann sie auch nicht wirken. Es ist die Freiheit der Selbstentscheidung, von Gott geschenkt, die uns auch das Verderben bringen kann. Die Texte zeigen uns in teilweise grausamer Härte, wie Gehorsam immer auch zum Segen führt.
Früher war dieser Sonntag der eigentliche Beginn der Passionszeit: mit dem sogenannten Hungertuch wurde der Altar verhüllt. Heute besteht die Tradition der Hungertücher noch – auch in der Kampagne von Brot für alle: sie verhüllen aber nicht mehr den Altar oder Abendmahlstisch, sondern sind geschmückt mit Bildern, die entweder Szenen aus der Passion Jesu darstellen oder zeitgenössische Passionserfahrungen aufnehmen. Heute kommen die Hungertücher meist von KünstlerInnen aus der 3. Welt (nebenstehend aus Haiti). Als Bildmeditationen können sie in Passionsandachten verwendet werden.

Karwoche: Palmsonntag / Gründonnerstag / Karfreitag

Die evangelischen Kirchen hielten es mit den Fastengeboten nicht so streng, dennoch gibt es einige Familien, die in der Karwoche kein Fleisch essen. Wesentlich strenger wird – und wurde vor allem früher – darauf geachtet, dass in den vierzig Tagen vor Ostern Ausgelassenheit und Vergnügen aller Art, vor allem Tanz- und Theaterveranstaltungen, unterbleiben, ja nicht einmal Hochzeiten stattfinden. Dies hat sich in der heutigen Zeit sehr stark verändert.

Palmsonntag

Palmblatt

 

Der Name dieses Sonntags geht auf die Palmzweige zurück, mit denen das Volk Jesus bei seinem triumphalen Einzug in Jerusalem zuwinkte: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ Alle 4 Evangelien berichten von diesem Ereignis (Matthäus 21,1-11; Markus 11,1-11; Lukas 19,29-40; Johannes 12,12-19).
Eine festliche Prozession, die an dieses Geschehen erinnern soll, bezeugt als erste um das Jahr 400 eine Pilgerin in ihrem Reisebericht: Ein Bischof versammelte das Volk auf dem Ölberg bei Jerusalem. Dann schritten alle, auch Kleinkinder und Alte den Berg hinunter. „Alle halten Zweige von Palmen oder Ölbäumen in der Hand, und so geleiten sie den Bischof auf dieselbe Weise, wie damals der Herr geleitet wurde.“ Von Jerusalem breitete sich die Feier des Palmsonntags nur sehr langsam nach Europa aus. Erste dramatisch-liturgische Nachahmungen und Darstellungen sind erst ab dem 8. Jahrhundert in Europa bezeugt. Im Mittelalter wurden die Prozessionen festlich ausgebaut. Es kam sogar zu Prozessionen, die Christusfigur auf einem hölzernen Esel (Palmesel) mitführten.
Palmsonntag ist zeitlos. Besonders im Sport lassen sich solche „Palmsonntagsprozessionen“ miterleben: wie schnell werden gute Sportler hochgejubelt nach einem grossen Erfolg – aber wie schnell werden sie auch wieder fallen gelassen bei einem kleinen Fehltritt oder Misserfolg… Im Kleinen lassen sich Palmsonntagserfahrungen vermutlich in jedem Menschenleben ausmachen.
Im Volksglauben schrieb man den an Palmsonntag im Gottesdienst gesegneten Zweigen eine magische Wirkung zu: sie sollten Schäden vom Haus und seinen Bewohnern abwenden können. So ass man Knospen und Triebe geweihter Zweige, um Krankheiten vorzubeugen, steckte Palmzweige in Kreuzform auf die Äcker oder verbrannte sie, um damit Unwetter, Blitz und Hagel fernzuhalten. Sie konnten auch an Kruzifixen im Haus angebracht werden, um seine Bewohner vor jedem Ungemach zu schützen (dieser Brauch ist auch heute noch weit verbreitet).

Gründonnerstag

Abendmahl

Die Bezeichnung „Gründonnerstag“ leitet sich wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen gronan = weinen ab. Die Büsser, die am Anfang der Fastenzeit von den Gottesdiensten ausgeschlossen wurden, durften an diesem Tag wieder in die kirchliche Gemeinschaft eintreten und so dürfte sich auch das Weinen erklären.


Biblisch findet sich der Hintergrund von Gründonnerstag in Jesu Feier des Abendmahls, des letzten gemeinsamen Mahls vor seinem Tod und der Erfahrung der Verlassenheit im Garten Getsemane. Weitere Motive, die auch die Nachtwachen an diesem Tag prägen können sind das nächtliche Gebet Jesu in Getsemane, seine Verhaftung, das Verhör vor dem Hohen Rat und die Verleugnung des Petrus (Matthäus 26; Markus 14; Lukas 22 und Johannes 18). Grundsätzlich wird Gründonnerstag heute als Tag der Einsetzung unseres Sakramentes des Abendmahls verstanden. Unser Abendmahl – das ist Gemeinschaft, Vergebung, Verinnerlichung, Stärkung und Zeichen der liebenden Fürsorge unseres Gottes … und noch viel, viel mehr...


Der Abend des Gründonnerstages eröffnet eigentlich die Feier der Drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung Jesu.

Karfreitag

Die Liturgische Farbe des Karfreitags ist häufig auch Schwarz, die Farbe der Trauer. In manchen Kirchen fehlt an diesem Tag jeglicher Blumenschmuck und auch die Osterkerze brennt nicht.
Das Wort „Kar“ kommt vermutlich vom althochdeutschen „kara“, was Wehklagen bedeutet. In den ersten Jahrhunderten wurde der Karfreitag nicht gottesdienstlich begangen. Wohl aber ist der Brauch bezeugt, am Karfreitag und Karsamstag zum Gedenken an den Tod und die Grabesruhe Jesu zu fasten. Erst ab dem 4. Jahrhundert finden sich Hinweise auf eine gottesdienstliche Feier.
In den Evangelischen Kirchen wird Karfreitag als einer der höchsten Feiertage begangen – in der röm.-kath. Tradition hingegen gab es Zeiten, in denen dieser Tag als normaler Werktag begangen wurde. Er galt als Buss- und Fastentag, an dem die beschwerlichsten und unangenehmsten Arbeiten erledigt wurden. Heute hat er allgemein zentrale Bedeutung als Sterbetag Jesu. Eine grosse Tradition besitzen die Karfreitagskonzerte, in denen die Passionen von Bach, Schütz, Händel und anderen Komponisten das Leiden und Sterben Jesu nahebringen.
Den biblischen Hintergrund bilden die Berichte rund ums Sterben Jesu in den Evangelien (Matthäus 26 und 27; Markus 14 und 15; Lukas 22 und 23; Johannes 18 und 19).

 

Gedanken zu Karfreitag von Hans Domenig:

 

Kreuzigungsszene

 

Kreuzigungsszene, Hauskapelle der Haute Koenigsburg, Elsass

Es ist eigenartig, dass wir Christen dich meistens als den Leidenden in den Kirchen aufstellen. Willst du das wirklich?... Wir könnten dich doch auch ganz anders zeigen: als den Lehrenden zum Beispiel, oder den Betenden oder den Segnenden. Stattdessen meditieren wir dich, wie du dich auspeitschen und fesseln lässt oder blutüberströmt am Kreuz hängst. So bist du für uns der Schwache. Aber wir fühlen es: dein Schwachsein gibt uns Kraft…
Du kennst das Schwachsein – wie wir Menschen – und kommst dadurch ganz in unsere vertraute Nähe. Du musst einen bitteren Kelch austrinken – wie wir Menschen-, doch der deinige ist noch bitterer. Aber dadurch fühlen wir uns von dir verstanden. Du windest dich in Verzweiflung, und auch dir geht nicht alles nach Willen – wie uns Menschen - , die viele ihrer Lebensträume entfliehen sehen.
Durch deine Not also bist du uns nahe. Doch wir möchten dir nicht nur dann nahe sein, wenn du gebrochen bist. Wir möchten auch von deiner Herrlichkeit etwas fühlen, die deinen Schmerzensschreien folgt. Darum: Lass es bald Ostern werden!

Osterzeit

Gelber Kranz

 

 

Mit Ostern beginnt der Osterfestkreis, der mit Pfingsten abgeschlossen wird. Die 50 tägige Freudenzeit wird bereits in Zeugnissen aus dem 2. Jahrhundert genannt. Diese Zeitspanne hat übrigens auch Pfingsten den Namen gegeben: griech. Pentekoste – was sich noch im heutigen frz. pentecôte deutlich zeigt. Die ganze Zeit galt als einziger, ungeteilter Festtag – bestimmt durch das österliche Geheimnis der Auferstehung, des Weges vom Dunkeln ins Licht, vom Tod ins Leben.

 

 

Ostern / Ostermontag

Morgenlicht

 

Der Gottesdienst der Osternacht galt lange als das bedeutendste Fest des ganzen Jahres. Ostern, die Auferstehung Jesu, die wir im Frühling feiern, bildete so das Zentrum des christlichen Festzyklus‘ und ist es heute in der Ostkirche immer noch. Wie verschieden die Bräuche um die Feiern des Osterfestes auch sind. Allen Bräuchen gemeinsam ist der Jubel über die Auferstehung und die Hoffnung, dass nicht nur Jesus, sondern auch die Gläubigen ihr eigenes Ostern erleben werden.
Das Fest fällt immer auf die Zeit zwischen dem 22. März und dem 25. April. Das Datum lässt sich auf folgende Weise bestimmen: nach dem Frühlingsanfang (21. März) muss man den nächsten Vollmond abwarten. Der Sonntag, der auf diesen Vollmond folgt, ist der Ostertag.
Der Name Ostern kommt vermutlich vom althochdeutschen „ostara“, was die Richtung nach Osten, nach Sonnenaufgang bedeutet.
Alle vier Evangelien (Matthäus 28,1-20; Markus 16,1-19; Lukas 24,1-49; Johannes 20,1-31) berichten von den Ereignissen rund um Ostern, dabei lassen sich kleine Nuancen je nach Situation der Gemeinde und auch der Verfasser ausmachen, wenn alle 4 Berichte nebeneinander gelesen werden. Im Johannesevangelium findet sich die wohl bekannteste Schilderung: die Begegnung der Maria Magdalena mit dem Auferstandenen (Joh 20,1-18).

 

Liturgisch wird das Osterfest meist mit einem Osterfeuer vor der Kirche und der Segnung der neuen Osterkerze gefeiert, die dann das Licht in die Kirche bringt. Die heutigen Feiern in der reformierten Kirche unterscheiden sich aber hinsichtlich der Gestaltung sehr stark. Allen gemeinsam ist jedoch: das Licht der Welt hält Einzug in die Kirche. Symbolisch wird also ein Lichtritus den Ostermorgen prägen.


Übrigens galt in der Frühzeit der Kirche die Osternacht als der Tauftermin schlechthin, denn in der vorausgehenden Fastenzeit konnte der Taufunterricht stattfinden. Damals handelte es sich meist um Erwachsenentaufen – mit ganzen Familien wurden aber auch Kinder bereits getauft.

Osterbräuche

Ostereier

 

Ostereier haben vermutlich im vorislamischen Orient (also vor dem 7. Jahrhundert) ihren Ursprung. Sie sind ein deutliches Symbol für keimendes Leben. Zuerst ist es noch eingeschlossen wie Jesus im Grab, doch dann bricht es durch, wenn das Küken ausschlüpft. Dass Eier bemalt werden, soll ein Ausdruck der Lebensfreude sein. Während der Fastentage war ihr Genuss ja vermutlich verboten.

 

Der Osterhase: in der Antike galt der Hase als Tier der Fruchtbarkeit. Seine grosse Wachsamkeit und seine – zumindest für den oberflächlich beobachtenden Menschen – stets offenen Augen sind ein Bild der Vorsehung Gottes, aber auch ein Sinnbild des Auferstandenen, der in seinem Grab wach gewesen sei.

 

Wie an anderen Festtagen gibt es auch traditionelle Speisen an Ostern: neben Eiern vor allem Lamm- oder Zickleinbraten und vielfältiges Ostergebäck.

 

Andere Bräuche sind der Osterspaziergang in Anlehnung an den Gang der Jünger nach Emmaus (Lukas 24,13-35). Es gibt auch die Tradition des Besuchs auf dem Friedhof am frühen Morgen, wo Auferstehungslieder gesungen und eine Kerze angezündet wird.

 

Osterglocke

 

Leider völlig in Vergessenheit geraten ist die gottesdienstliche Tradition des Osterlachens: früher war der Prediger verpflichtet, mit Witzen die Gemeinde zum „Osterlachen“ zu bringen.
Hier eine Kostprobe:

Schon seit zwanzig Jahren betet Gustav an jedem Wochenende: „Lieber Gott, lass mich bitte in der Lotterie gewinnen.“ Doch nie gewinnt er. Als er es eines Tages wieder versucht, erstrahlt sein Zimmer plötzlich in hellem Licht und eine tiefe Stimme sagt: „Gib mir doch eine Chance, Gustav, kauf dir endlich ein Los!“

 

Ein typisches Symbol ist die Osterglocke, die mit ihrer Sternförmigen Blüte von der Auferstehung zu berichten weiss: aus dem Stern ergeben sich die griechischen Buchstaben I und X, was wiederum Jesus Christus bedeutet. Und die Osterglocke sucht sich durch das Dunkel der Erde den Weg ans Licht des Tages.

Auffahrt/ Christi Himmelfahrt

Biblisch finden sich die Texte, die von diesem Ereignis erzählen im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte (Lukas 24,50-53; Apostelgeschichte 1,1-14). Als christliches Fest ist Christi Himmelfahrt in der heutigen Zeit stark verblasst – der Mai wird meist vom Mutter- und Vatertag geprägt.


Die ersten Gemeinden kannten auch noch kein eigenes Fest „Christi Himmelfahrt“ – dieses wurde in die Feier vom 50. Tag nach Ostern in die Feier des Gedächtnisses der Geistsendung (Pfingsten) integriert. Erst ab dem 4. Jahrhundert gibt es Zeugnisse, dass in manchen Regionen am 40. Tag nach Ostern Christi Himmelfahrt gefeiert wurde entsprechend der Chronologie aus dem Lukasevangelium / der Apostelgeschichte. Bereits im 5. Jahrhundert setzte sich dann der Brauch dieses Festes im Osten wie im Westen durch. Christi Himmelfahrt will an den Abschied Jesu von seinen Jüngern erinnern. Weil dies auf dem Ölberg geschah, also im Freien, feiern viele Gemeinden an diesem Tag Feldgottesdienst. Trotz Verboten in der Aufklärungszeit konnten sich lange massiv-dramatische Darstellungen von Christi Himmelfahrt halten: zu Orgelklängen konnte dabei eine riesige Christusfigur aus Holz mittels einer Seilwinde in die Höhe gezogen werden, bis sie in einer Luke in der Kirchendecke verschwand.
Wichtig ist, dass die Himmelfahrt Christi nicht als ein blosses Hinaufschweben in den „materiellen“ Himmel verstanden wird, sondern eher als ein Entschwinden in eine Sphäre oder in eine Dimension, die uns verschlossen ist. Somit erweist sich Christi Himmelfahrt als Fest des Übergangs. Vielleicht ist es ja auch religiös gedeutet ein Zeichen des Übergangs eines Glaubens, der erwachsen werden will und muss?

Pfingsten

Pfingsten ist der 50. Tag nach Ostern, neben diesem und dem Weihnachtsfest ist es das dritte Hauptfest der Christen. Das wird mit einem zweiten Feiertag (Pfingstmontag) unterstrichen. Es ist das Fest des Kommens des Heiligen Geistes. Jesus verspricht im Johannesevangelium in den Abschiedsreden seinen Nachfolgern, dass er ihnen einen „Tröster“ senden wird, der ihnen Kraft gibt (Joh 14,23-27). Die biblische Fundierung des Festes findet sich aber in der Apostelgeschichte 2,1-18:

 

Violetter Kranz

Glaskunst aus Taizé: Der Heilige Geist

1 Als nun die Zeit erfüllt und der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren sie alle beisammen an einem Ort. 2 Da entstand auf einmal vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen; 3 und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jeden von ihnen liess eine sich nieder. 4 Und sie wurden alle erfüllt von heiligem Geist und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab. 5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun jenes Tosen entstand, strömte die Menge zusammen, und sie waren verstört, denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. 7 Sie waren fassungslos und sagten völlig verwundert: Sind das nicht alles Galiläer, die da reden? 8 Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache hört? 9 Parther und Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, von Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asia, 10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem kyrenischen Libyen, und in der Stadt weilende Römer, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir alle hören sie in unseren Sprachen von den grossen Taten Gottes reden. 12 Sie waren fassungslos, und ratlos fragte einer den andern: Was soll das bedeuten? 13 Andere aber spotteten und sagten: Die sind voll süssen Weins.
14 Petrus aber trat vor, zusammen mit den elfen, erhob seine Stimme und sprach: Ihr Juden und all ihr Bewohner Jerusalems, dies sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist doch erst die dritte Stunde des Tages. 16 Nein, hier geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:
17 Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott,
da werde ich von meinem Geist ausgiessen über alles Fleisch,
und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen,
und eure jungen Männer werden Gesichte sehen,
und eure Alten werden Träume träumen.
18 Und auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen
von meinem Geist ausgiessen, und sie werden weissagen.

 

Mit der Sendung des Heiligen Geistes erhalten die Menschen die göttliche Lebenskraft.
Doch was ist mit dem „Heiligen Geist“ (übrigens ist dieser in der hebräischen Ursprache ein feminines Wort…) gemeint, wann weht er und wo ist er? Darauf hat Hans Domenig ganz schöne Antworten gefunden:

 

Was ist der heilige Geist?
Gott ist nicht nur Schöpfer und Erhalter der Welt… sondern wohnt auch in unserem Innern. Gott in uns Menschen, das heisst heiliger Geist. Das haben die Jünger damals in Jerusalem erfahren, das nannten sie die Ausgiessung des Heiligen Geistes – ein Ereignis, das nicht einmalig war, sondern sich ständig widerholt, auch bei uns Menschen von heute.

Wann weht der heilige Geist?

Wann er will – und nicht, wann die Menschen wollen. Er lässt sich weder herbeizaubern noch herabbeten. Er ist einfach da – oder auch nicht…

Wo ist der heilige Geist?

Wo einer spontan bei einem Trauernden die Klingel drückt.

Wo zwei Bauern Gott für den Regen danken, nach welchem die Wiesen gedürstet haben.

Wo ein Kirchgänger sich in der viel zu grossen Stadtkirche nicht alleine fühlt…


Im Neuen Testament ist ursprünglich nicht Pfingsten beschrieben, sondern mit Pentekoste wird das jüdische Wochenfest geschildert. Wie bei Ostern, das mit dem jüdischen Passahmahl zusammenhängt, zeigt sich auch in Pfingsten der jüdisch-christliche Traditionszusammenhang. Seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts wird nach den 50 Tagen der Freude ein eigenständiges Pfingstfest gefeiert, das theologisch mit der Ausgiessung des Heiligen Geistes verbunden ist.

Das Brauchtum

Das Brauchtum um Pfingsten ist weniger prägnant als zu den anderen Festzeiten des Kirchenjahres. Das kommt vermutlich daher, dass sein Inhalt kaum mehr bekannt ist. Wenn überhaupt noch Brauchtum gepflegt wird, dann erscheinen grüne Zweige an den Häuser oder Pfingstbäumchen (Birken). Die Zweige sind wie die Palmenzweige an Palmsonntag als Huldigung zu verstehen. Es gibt auch Pfingsttänze und Umzüge. Das Pfingstfest drängt noch stärker nach draussen als Himmelfahrt. Nicht zufällig sind Pfingsttage Ausflugszeit par excellence. Früher gab es auch kuriose Bräuche wie das Herabschweben einer Holztaube auf die Gemeinde oder das Fliegenlassen einer Taube im Kirchenraum als Zeichen für die Anwesenheit des Heiligen Geistes.

 

Pfingsten bedeutet eigentlich ursprünglich nicht den Geburtstag der Kirche: Pfingsten bedeutet, ergriffen zu werden von göttlicher Lebenskraft und menschlicher Lebenslust, individuell und gemeinschaftlich.
In der populären Literatur erscheint Pfingsten häufig auch als der „Festtag der Liebe“.

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