Zugehörigkeit ist ein Gefühl
Es ist nicht einfach, sich in der Kirchgemeinde Köniz zuhause zu fühlen. Ein Zugehörigkeitsgefühl kann zu einem bestimmten Kirchenkreis entstehen. Vielleicht nimmt man dort bei Bedarf ausgewählte Dienstleistungen in Anspruch. Vielleicht besucht man bestimmte Anlässe regelmässig und sucht eine Beziehung zu den anwesenden Menschen. Vielleicht fühlt es sich aber auch einfach richtig an dazuzugehören, selbst wenn man das Leben der Gemeinde kaum wahrnimmt, weil man sich von der blossen Zugehörigkeit getragen fühlt und das Vorhandensein der Kirche grundsätzlich gut findet. Wie eng oder locker die Zugehörigkeit ist, sie ist in jedem Fall weit mehr als eine äussere Angelegenheit: Sie ist ein Gefühl, das man hat und haben möchte. Nur ist genau das ein Problem. Ein Gefühl von Zugehörigkeit zur ganzen Kirchgemeinde Köniz entsteht nicht leicht.
Personelle Turbulenzen
Dass es schwierig ist, sich zur ganzen Kirchgemeinde Köniz zugehörig zu fühlen, hat verschiedene Gründe. Bisher hat die Kirchgemeinde weitgehend darauf verzichtet, einen ideologischen oder hierarchischen Überbau zu schaffen, um Einheit zu stiften. Es gibt zwar einheitliche Reglemente und Verordnungen, kaum aber gemeinsame Visionen und Ziele. Die organisatorische und strukturelle Verbundenheit auf Ebene Kirchgemeinderat und Administration beschränkt sich auf das ökonomisch Sinnvolle und verfolgt bewusst keine zentralistischen Absichten. Föderalismus gilt viel und wird in den sehr heterogenen Kirchenkreisen ausgiebig gepflegt. Offensichtlich ist die Kirche Köniz nicht ein Zentrum mit integrativer Ausstrahlung auf die restliche Kirchgemeinde. Hinzu kommt, dass die Kirchgemeinde Köniz im Zusammenhang mit den Turbulenzen um Pfarrer André Urwyler in den letzten Jahren etliche Male für negative Schlagzeilen gesorgt hat. Diese Turbulenzen haben die Kirchgemeinde in zwei Lager gespalten, und die Wunden über die Spaltung haben erst angefangen zu heilen. All dies ist einer Identifikation mit der ganzen Kirchgemeinde Köniz wenig förderlich.
Eine Gemeinde selbstverantwortlicher und solidarischer Menschen
Man kann über diese Situation lamentieren, und man kann sie als Chance zu einer mündigen, an Selbstverantwortung orientierten, christlichen Gemeinde lesen. In einer grossen, heterogenen und entsprechend komplexen Kirchgemeinde wie Köniz eine ist sind Spannungen und Konflikte programmiert. Entscheidend ist deshalb, wie man damit umgeht. Will die Kirchgemeinde Köniz ihren Mitgliedern unterschiedliche Beheimatungen in sieben Kreisen bieten, ist sie dazu herausgefordert, die Solidarität unter den Kreisen zu fördern, eine gute Konfliktkultur zu pflegen und Aufgaben differenziert anzugehen. Wenig Platz aber besteht für blinde Gleichschaltung, simple Einheitslösungen sowie für Menschen, die rechthaberisch auftreten und beanspruchen, ihr Umfeld dominieren zu können. Sie braucht stattdessen Menschen, die bereit sind, miteinander gute Lösungen zu finden, Differenzen auszuhalten und wertzuschätzen und dabei nicht zu vergessen, dass das Evangelium, wie es in der Bibel bezeugt ist, in diesen Prozessen wahrgenommen und gestaltet werden will. So gesehen ist die Zugehörigkeit zur Kirchgemeinde Köniz eine praktisch gelebte, zuweilen anspruchsvolle, aber auch bereichernde Aufgabe.
Bernhard Neuenschwander, Pfarrer in Wabern
Bernard Ferrazzini zum Begegnungsprojekt 1,2,3,4,5,6,7:
„Gott hat Seine Welt noch nie im Stich gelassen! Fasst Mut!“
Das kleine Echo auf meinen Initiative, das Begegnungsprojekt 1,2,3,4,5,6,7 – es hat mich kaum überrascht. Unsere Kirche ist müde vom Streiten und Organisieren. Sie ist mutlos und fragt: „Wer fragt nach uns?“
Toni Frisch, der ehemalige Chef der humanitären Hilfe des Bundes, traf am 26. Januar im gut gefüllten Murrihuus Schliern beim Begegnungsprojekt 1,2,3,4,5,6,7 den Kern: Wir leben nicht für uns selber, sondern als Teil einer Familie. Die Kirche ist nicht Selbstzweck, sondern wichtig als Wächterin darüber, dass die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt.
Wir Schweizer spenden viel, doch eigentlich beschämen uns die Afrikaner: Millionen von Flüchtlingen werden durchgetragen von Einheimischen, die selber fast nichts oder jedenfalls weniger als wir haben.
Alle wollen sie leben, und ein wenige Freude und Glück finden, alle auf unserer einen Erde, mit ihren 7 Erdteilen und 7 Ozeanen als Quellen der Ernährung. Das ist eine enorme Aufgabe für uns alle, Nothilfe ist nicht Ausnahme, sondern Normalfall, im Familienalltag bei uns und in der Weltfamilie – von der wir Reichen ein Teil sind.
Alle Menschen sind eine Familie, mit dem einen Gott als Vater und Mutter. „Wie oft soll ich meinen Bruder, meine Schwester ans Herz ziehen, meine Türe öffnen, meinen Geldbeutel? 7 Mal?“ - Nein, 70 mal 7 Mal (Mt. 18,21f), oder noch viel mehr, wie es der Christus gemeint und getan hat.
„1,2,3,4,5,6,7 – und dann frisch wieder von vorne, denn Gott hat Seine Welt noch nie im Stich gelassen! Fasst Mut und wagt die Zukunft!“
Das hast du zu rufen, liebe alte Kirche, vielleicht gerade dir selber! Der Friede sei mit uns allen.
Pfarrer Bernard Ferrazzini, Niederscherli
Abschluss Begegnungsprojekt 1,2,3,4,5,6,7
Spiel und Spass, Chorgesang, Musik und Suppe am 24. März, 14 bis 19 Uhr, Rittersaal Schloss Köniz.